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Dago

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1

Donnerstag, 27. Januar 2011, 21:55

Bronzezeitlicher Wickelkittel

Ich hab mich mal an einen Bronzezeitlichen Wickelkittel gewagt, wie er aus den Fund Muldbjerg In Dänemark bekannt ist ( 1375 v. Chr.) Die Moorleiche des Mann von Emmer-Erfscheidenveen in den Niederlande scheint auch einen solchen Kittel getragen haben ( 1250 v. Chr. ) Ein Fund aus einem Männergrab in Sitten ( Schweiz) läst darauf schliessen das ähnliche Männerkleidung auch im Süden in der Frühbronzezeit bekannt war , der Kittel war aber mit kreuzförmigen Lederriemen auf der Brust fixiert (ca 1800 v. Chr.). Gehalten wird der Kittel auf der Schulter von einem Doppelknopf aus Bein.


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2

Freitag, 28. Januar 2011, 12:07

Sehr interessant!
Wie sieht denn die Grundform der Stoffbahn (Wolle nehme ich an) aus? Länge-Breite..
Hast du aufgrund des einzelnen Beinknopfes auf die schulterfreie Wickelvariation geschlossen? Wie sähe das Ganze denn aus mit dem kreuzförmigen Riemen über der Brust (s. Fund in Sitten), gab es da auch noch weitere Befestigungshinweise in Form von "Knöpfen" o der Nadeln? Fragen über Fragen :D aber ich finde es sehr spannend! :thumbsup:
"Bewahre mich vor der Einbildung, bei jeder Gelegenheit und zu jedem Thema etwas sagen zu müssen."
Teresa von Ávila

Dago

unregistriert

3

Freitag, 28. Januar 2011, 22:48

Die Bahn ist wie die Fundabwicklung unten gerade geschnitten und am oberen Ende mit einer Kontur mit an den Ende 2 Schulterzipfel ( ob es im Netz ne Abwicklung gibt weis ich nicht, da ich nur mit Buchbelegen Arbeite). Die Bahn ist 220 x 90 cm , in der größten Länge und besteht aus einem tuchbindigen gewalkten naturbraunen Wollstoff. Die Tragweise ist durch die Fundlage selber belegt, da der Tote den Kittel noch trug ( Weiter Kleidung ein ovaler Mantel und eine Fez artige Mütze). Der Literatur nach gibt es auch Funde der Trachtlage, die darauf hinweisen das in der Nordischen BZ auch Fibeln als Befestigung verwendung finden. Doppelknöpfe können es auch 2 sein.
In Sitten waren die Lederiemen an den Bahnecken befestigt und gingen dann sich auf der Brust kreuzend über die Schulter ( eine Rekonstruktionszeichnug zeigt den Mann mit einem "Hochdorfhut", ich weis aber nch nicht auf was das beruht)

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Dago« (28. Januar 2011, 23:00)


4

Samstag, 29. Januar 2011, 09:13

Schöne Arbeit, Dago! Brauchst du zum Anziehen auch Hilfe? Darüber haben sich mal die Männer vom Bronzezeithaus Uelsen beschwert, wenn sie ihre, wenn auch längst nicht so detailgenauen Kittel anlegen sollten. Der Gürtel ist doch bestimmt aus deiner Produktion.
Bilder zu bronzezeitlichen Funden gibt es übrigens im Netz hier: Bronzezeit
Auch zu dieser tollen fezartigen Mütze.
Marled
Kleidermotte in historischen Textilien aus Leidenschaft!
Näheres dazu in meinem Blog
Archäotechnik - textile Fläche

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Dago

unregistriert

5

Samstag, 29. Januar 2011, 19:37

Ich bekomme ihn ohne Hilfe an, das mit dem nicht allein Ankleiden ist mir auch schon zu Ohren gekommen. Durch den gewalkten Stoff ergibt sich ein ähnlicher Kletteffekt wie man ihn bei Beinwickel kennt. Der Gürtel ist nicht aus meine Produktion, sondern noch ein Provisorium (Wadenwickel). Ich weis auch noch nicht ob ich das gut stück für eine Darstellung nutze. Hier mal den ersten (und einzigen) Gürtel aus der Eigenproduktion, der wäre auch nicht so passend gewessen.


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Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Dago« (29. Januar 2011, 19:45)


Beate

unregistriert

6

Samstag, 29. Januar 2011, 22:03

Die Bahn ist wie die Fundabwicklung unten gerade geschnitten und am oberen Ende mit einer Kontur mit an den Ende 2 Schulterzipfel ( ob es im Netz ne Abwicklung gibt weis ich nicht, da ich nur mit Buchbelegen Arbeite).
Abbiildung im Netz:


Du schreibst, das Wickelgewand besteht aus einer Bahn. Meines Wissen ist es aus 2 Teilen zusammengesetzt. Ist aber schon sehr, sehr lange her, dass ich mich damit beschäftigt habe. Ist das mittlerweile überholt?


Edit: Fotos (in die man reinzoomen kann!) der Kleidungsstücke gibt es auf der HP des Dänischen Nationalmuseums: http://oldtiden.natmus.dk/udstillingen/b…rg/language/uk/ :thumbup:

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Beate« (29. Januar 2011, 22:12)


7

Samstag, 29. Januar 2011, 22:39

Hi, was bedeutet das konkret: "aus zwei Teilen" - zwei getrennte Stoff-Stücke, jedes extra gewickelt oder einfach zwei Stücke in einen zusammen genäht? Auch - dass oben am Hals zwei Bände für die Verschliessung sind, oder ein Teil genauso wie den Dago ihn trägt? (nur Frage aus Neugier).

Diese Funde sind interessant, kenne die schon lange (habe nach Umhängen einmal recherchiert und nach Textilfunde aus Mooren)
Joze

Dago

unregistriert

8

Samstag, 29. Januar 2011, 23:01

Es sind auch bei mir 2 Bänder , nur nicht aus 2 Stücken genäht. Doch da kann man noch abhelfen wenn man es wünscht.

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Dago« (29. Januar 2011, 23:03)


Beate

unregistriert

9

Sonntag, 30. Januar 2011, 08:29

Ich meinte nicht 2 Bänder, sondern dass die Stoffbahn aus 2 Teilen besteht. Ich hatte den Kittel annoduzemal im Studium gebastelt. Das Studium hatte allerdings nichts mit Ärchäologie zu tun, sondern mit Kunst.

Auf dem Bild oben sieht man beim Kittel auf der linken Seite eine Linie, die als Naht interpretiert wurde. Ich erinnere mich, dass beim angesetzten Teil der Fadenlauf anders verlief. Dadurch gewann das Wickelgewand deutlich an Tragekomfort. Wie ich dazu kam, kann ich jetzt leider nicht mehr nachvollziehen. Ich hatte es mir aber nicht ausgedacht, die Quelle muss also irgendwo in der Literatur zu finden sein.

Aber - das möchte ich deutlich betonen :!: - das ist gut 30 Jahre her, und daher kann diese Rekonstruktion natürlich längst überholt sein. Das wollte ich eigntlich auch nur wissen (interessiert mich halt jetzt ;) ).

Noch 2 links:
http://www2.sub.uni-hamburg.de/opus/voll…l/dokument4.htm
hier steht "In der Mantelkragenfalte befanden sich Fragmente von zwei Fibeln." (du erwähntest oben Fibeln)

und http://www.guderoggrave.dk/cgi-bin/kultn…aegslbnr=165516

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Beate« (30. Januar 2011, 08:30)


Nils

unregistriert

10

Mittwoch, 2. Februar 2011, 14:56

Nach Schlabow besteht der o.g. Kittel aus einer Stoffbahn (Wolle, in Leinwandbindung gewebt), aus welcher ein Keil mit konvex gerundeter Innenkante ausgeschnitten wurde.
Dieser wiederum wurde in drei Teile zerlegt und diese - zurechtgeschnitten und leicht gedreht - wieder angenäht, so, daß zusätzlich ein Zipfel zur Befestigung des Schulterriemens entstand. Habe das Prinzip mal behelfsmäßig in einer Paint-Zeichnung dargestellt.
Der interessante Sinn und Zweck der Aktion ist, laut Schlabow, an dieser Stelle die 'Anschmiegsamkeit' des Gewebes zu erhöhen, da Leinwandbindung in Webrichtung sehr unflexibel ist, bei diagonalem Zug, wie er durch die leicht gedreht eingesetzten Stücke entsteht, jedoch elastischer wird und sich beim Wickeln besser am Körper anlegt.

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Nils« (2. Februar 2011, 14:56)


11

Mittwoch, 2. Februar 2011, 18:34

Interessantes Tipp und doch auch aus Schlabow.
So habe ich es gemeint: wenn mehrere Teile sind und sind die zusammen genäht. Also die wurden aus diesen Gründen die du beschrieben hast, exstra gewebt. Clevere Leute!


....dein Avatar ist witzig, haah :top: :klatsch:
Joze

Beate

unregistriert

12

Donnerstag, 3. Februar 2011, 05:56

Danke, Nils!
Dann lag ich ja doch nicht ganz falsch (aber auch nicht richtig *g*).
In welchem Buch von Schlabow steht das, "Gewebe und Gewand zur Bronzezeit"? Gibt es auch was Neueres? Die Textilen sind doch vor kurzem neu untersucht worden -> http://ctr.hum.ku.dk/research/costume/
Die Buch ist zwar noch nicht raus, aber es gibt schon diverse Aufsätze dazu.

Nils

unregistriert

13

Donnerstag, 3. Februar 2011, 14:04

Zitat

In welchem Buch von Schlabow steht das, "Gewebe und Gewand zur Bronzezeit"?


Genau darin, Beate.
Die neueren Untersuchungen sind mir noch nicht bekannt. Danke für den Tip, bin gespannt auf die Veröffentlichung!

Beate

unregistriert

14

Freitag, 4. Februar 2011, 12:19

Korrektur:



Edit: Fotos (in die man reinzoomen kann!) der Kleidungsstücke gibt es auf der HP des Dänischen Nationalmuseums: http://oldtiden.natmus.dk/udstillingen/b…rg/language/uk/ :thumbup:

Die einzelnen Kleidungsstücke sieht man nur auf der dänischen Seite: http://oldtiden.natmus.dk/udstillingen/b…rg/language/dk/

Fotos des Wickelkittels rechts unten anklicken und dann reinzoomen. Also ich erkenne da eine Naht, mehr aber nicht. ?(

Noch ein Nachtrag:

Auf der HP ist auch das Schnittmuster 8o und das müsste jetzt wirklich der neuste Stand der Forschung sein:
http://oldtiden.natmus.dk/livet_i_oldtid…_bronzealderen/

:thumbsup: :thumbup:

Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »Beate« (4. Februar 2011, 20:20)


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