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Dienstag, 25. Februar 2014, 11:21

Deutungshilfe bei Weihesteinen

Hallo,

Kennt sich jemand mit der Deutung von Inschriften aus? Ich benötige entweder einen Fachmann oder passende Literatur dazu.

Die Grundfrage ist: Was erfährt man aus diesen Inschriften über den Gutuater?

Zitat

CIL XIII, 1577 adlector?] ferrariar(um) gutuater praefectus colon(iae) [3] / [3] qui antequam hic quiesco liberos meos [3] / [3] utrosq(ue) vidi Nonn(ium) Ferocem flam(inem) IIvirum bis[

CIL XIII, 11225 ]Aug(usto) sa[cr(um)] / deo An/vallo Nor/baneius / Thallus / Gutuater / v(otum) s(olvit) l(ibens) m(erito)

CIL XIII, 11226 ]Aug(usto) sacr(um) / deo Anvallo / C(aius) Secund(us) Vi/talis Appa / Gutuater / d(edit?) / s(ua) p(ecunia) ex voto

CIL XIII, 2585 C(ai) Sulp(ici) M(arci) fil(ii) Galli omnibus / honoribus apud suos func(ti) / IIvir(i) q(uinquennalis) flaminis Aug(usti) P[3]OGEN(?) / dei Moltini Gutuatri(?) Mart[is] / Ul(toris?) cui ordo quod esset civ[is] / optimus et innocentissimus / statuas publ(icas) ponendas decrev(it)
In h(onorem) d(omus) d(ivinae) Apo[lli]ni et Sironae / aedem cum signis C(aius) Longinius / Speratus vet(eranus) leg(ionis) XXII Pr(imigeniae) p(iae) f(idelis) / et Iunia Deva coniunx et Lon/gini(i) Pacatus Martinula Hila/ritas Speratinus fili(i) in / suo posuerunt v(otum) s(olverunt) l(ibentes) l(aeti) m(erito) / Muciano et Fabiano co(n)s(ulibus)

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Ponos von Hochdorf« (25. Februar 2014, 11:21)


2

Mittwoch, 26. Februar 2014, 15:57

Ich kenn da jemand, der da mal vielleicht n Blick drauf werfen könnte. Weitere Infos in Kürze.

3

Mittwoch, 26. Februar 2014, 17:52

Man erfährt den Namen des Gutuaters und den Stiftungsgrund.

Zweite Inschrift:

Geopfert dem grossen Gott Anvallus. Borbaneius Thallus Gutuater erfüllt verdientermassen sein Gelöbnis.

Dritte:

Geopfert/Gewidment dem grossen Gott Anvallus. Caius Secundus Vitalis Appa Gutuater widmet dies aus seinem Vermögen (von seinem Gelde) als Gelöbnis

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Hans« (26. Februar 2014, 18:05)


4

Donnerstag, 27. Februar 2014, 16:31

Hallo,

Vielen Dank! Ich warte mal auf die weitere Auswertung und gleiche sie dann mit der von Hans ab.
Hast du die selbst so gedeutet oder aus irgendeinem Buch entnommen? Wenn ja, wäre eine Literaturangabe super!
In h(onorem) d(omus) d(ivinae) Apo[lli]ni et Sironae / aedem cum signis C(aius) Longinius / Speratus vet(eranus) leg(ionis) XXII Pr(imigeniae) p(iae) f(idelis) / et Iunia Deva coniunx et Lon/gini(i) Pacatus Martinula Hila/ritas Speratinus fili(i) in / suo posuerunt v(otum) s(olverunt) l(ibentes) l(aeti) m(erito) / Muciano et Fabiano co(n)s(ulibus)

5

Freitag, 28. Februar 2014, 19:53

Habe es erst jetzt gesehen, stimme Hans zu: Stifter, Stiftungsgrund, Gottheit, nach Schema-B
"Bewahre mich vor der Einbildung, bei jeder Gelegenheit und zu jedem Thema etwas sagen zu müssen."
Teresa von Ávila

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Magali« (28. Februar 2014, 19:54)


6

Dienstag, 4. März 2014, 11:30

Spannender wäre die Frage nach der Tätigkeit des Gutuaters (er stiftet Gottheiten Weihesteine, mehr kriegt man nicht raus?) - den gängigen Deutungen in der Wissenschaft über dessen Funktion in der Gesellschaft trau ich nicht so ganz...
In h(onorem) d(omus) d(ivinae) Apo[lli]ni et Sironae / aedem cum signis C(aius) Longinius / Speratus vet(eranus) leg(ionis) XXII Pr(imigeniae) p(iae) f(idelis) / et Iunia Deva coniunx et Lon/gini(i) Pacatus Martinula Hila/ritas Speratinus fili(i) in / suo posuerunt v(otum) s(olverunt) l(ibentes) l(aeti) m(erito) / Muciano et Fabiano co(n)s(ulibus)

7

Dienstag, 4. März 2014, 18:17

Naja, wenn die Wissenschaft schon nicht mehr herasubekommt....

Welche Deutung hättest du denn gern? Meinst du die Wissenschaft unterdrückt was oder stellt sich blöd? Wunschergebnisse kann sie halt nicht bieten.

Die Stiftung von Weihesteinen ist nicht seine "Tätigkeit", da liegst du mit der Interpretation falsch. Es ist sein Titel. Das ist bei Weihesteinen auch so üblich, dass die Titel des Stifters angegeben werden.

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Hans« (4. März 2014, 18:19)


8

Mittwoch, 5. März 2014, 13:32

Ich meinte das in der Hinsicht, dass alle Deutungen, die ich bisher kenne, sich hauptsächlich auf etymologische Spekulation, die Erwähnung bei Caesar (wo man viel herauslesen kann aber letztendlich doch irgendwie nichts), oder Gleichsetzung mit dem germanischen Begriff des Gotinc/Gudja stützen. Eine zusammenhängende Untersuchung dazu hab ich bisher noch nicht gefunden.

Und mit "Tätigkeit" habe ich mich daher auf mögliche typische Eigenschaften bezogen, allerdings weiß man aus den Steinen an sich nur, dass die betreffenden Gutuater eben Weihesteine an Gottheiten gestiftet haben. Das ist aber an sich nichts typisches (weist aber auf einen wohlhabenden Status?) - bei "praefectus colon(iae)" überlege ich gerade ob das einen Zusatztitel des Stifters darstellt.
In h(onorem) d(omus) d(ivinae) Apo[lli]ni et Sironae / aedem cum signis C(aius) Longinius / Speratus vet(eranus) leg(ionis) XXII Pr(imigeniae) p(iae) f(idelis) / et Iunia Deva coniunx et Lon/gini(i) Pacatus Martinula Hila/ritas Speratinus fili(i) in / suo posuerunt v(otum) s(olverunt) l(ibentes) l(aeti) m(erito) / Muciano et Fabiano co(n)s(ulibus)

9

Mittwoch, 5. März 2014, 17:40

Verstanden.

Die erste Überschrift wird leider in unterschiedlichen Versionen veröffentlicht und ich habe keine Primärliteratur dazu. Aber vom Grundsatz geht's auch wieder um irgendeine Stiftung, allerdings ist das Ganze nicht vollständig.

Nonnius von den Eisengruben, Gutuater,Präfekt der Kolonie, ich Ruhe hier, ich konnte sehen, mein ezwei Kinder werden einerseits Nonnius Ferox, SOE und Duumvir zweimal, andererseits Nonnius...

Ich interpretiere das mal so, dass die Kinder den Stein für den Vater gestiftet haben. Vielleicht sollte sich doch noch jemand damit beschäftigen, der nicht mit Tricks sowas übersetzen muss... :zwinker:

Die nächste Überschrift auch wieder so ein Standardschema (ohne Gewähr!!!)

Statue von Gaius Sulpicius Gallus, Sohn des Marcus, bekleidet mit allen Ehren zu seiner eigenen (Ehre). Er war Duumvir, Quästor, SOE,Omen, p.ogen (?) des Gottes Moltin, Gutuater Mars sechs mal. Wie es sich für einen ausgezeichneten und grosszügigen Landsmann gehört, hat der Rat der Stadt beschlossen, dass diese Statue auf Kosten der Gemeinde aufgestellt wird.


Le Bohec erscheint mir ein vertrauensvoller Autor: Le Bohec Y., Gutuater, nom propre ou non commun ?, Gallia, 58, 2001, 363-367
Das liegt im Netz auch als pdf vor, allerdings halt auf französisch. Sein Gesamtergebnis ist aber auch nicht wirklich erhellend, er meint, dass es sich bei den Inschriften (extrem kurzgefasst!!) sowohl um Namen als auch Titel handelt/handeln könnte.

Meine Anmerkungen: Vier Inschriften, das noch eine einzige historische Quelle, da kommt man wirklich nicht weit. Ausser dem etymologischen Ansatz fiele mir auch nix ein. Das "Schema" der Inschriften ist ganz normal, sind alle mehr oder weniger so. Das "alte Titel" bei den Römern weitergeschleppt und von der ursprünglichen Bedeutung entkoppelt werden, kann man am Obersten Brückenbauer gut sehen, der zu Gründungszeiten Roms wohl eine Rolle hatte, dann als Titel vom Kaiser getragen wurde und heute vom Papst. Die 'öme' liebten ja Titelketten wie die nordkoreanischen Offiziere ihre Ordensbrüste.

H

10

Montag, 10. März 2014, 23:09

Zitat

Vielleicht sollte sich doch noch jemand damit beschäftigen, der nicht mit Tricks sowas übersetzen muss...

Das reicht doch auch erstmal :D
Jedenfalls bedanke ich mich schon mal sehr herzlich für deine Überlegungen dazu, ich warte noch das ab wann von Marius kommt und dann schaue ich mal ob ich es noch etwas vertiefen muss. Vielleicht ist es besser wenn ich mich nicht so an der einen Stelle aufhänge. Das mit dem Pontifex ist übrigens ein gutes Beispiel, das ist genau das was man (in beide Richtungen!) bei der Kontinuität solcher Begriffe und der mit ihnen verbundenen Inhalten berücksichtigen muss.

Ich folgere aus den bisherigen Deutungen für die Funktion des Gutuater, dass es auf jeden Fall Überschneidungen mit politischen Ämtern (und natürlich wohlhabenden Status, aber der kann auch einfach mit dem Stiftungsprinzip zusammenhängen) gibt. "Gutuater des Mars" könnte auch auf etwas kultisches hinweisen, wenn Mars hier nicht einfach nur stellvertretend oder begleitend für eine bestimmte Tätigkeit ist - wie kommst du da auf die "sechs mal"?
In h(onorem) d(omus) d(ivinae) Apo[lli]ni et Sironae / aedem cum signis C(aius) Longinius / Speratus vet(eranus) leg(ionis) XXII Pr(imigeniae) p(iae) f(idelis) / et Iunia Deva coniunx et Lon/gini(i) Pacatus Martinula Hila/ritas Speratinus fili(i) in / suo posuerunt v(otum) s(olverunt) l(ibentes) l(aeti) m(erito) / Muciano et Fabiano co(n)s(ulibus)

11

Donnerstag, 13. März 2014, 19:25

Zitat

wie kommst du da auf die "sechs mal"?


weil da verschiedene Autoren ein "sextum" ergänzen. Die Problematik bei Weiheinschriften sind die Abkürzungen. Viele können leicht entschlüsselt werden, andere nicht. Ich kenne die Gutuater-Texte nur aus der Literatur, nicht aber zB durch Fotos der Originale. Ich kann also zur Plausibilität der Ergänzungen nichts sagen. Und will ich letztlich auch nicht - ich hab mich zwar mal recht intensiv damit beschäftigt, als Geistesübung, und soweit es einem nicht-Lateiner überhaupt möglich ist. Aber das ist 20 Jahre her.....

H