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Freitag, 22. Januar 2016, 16:58

Statue von Mondragon, dép. Vaucluse

Nachdem ich festgestellt habe, dass es hier im Forum noch nichts zu der Statue gibt, lege ich jetzt mal ein Thema an :-)
So sieht die Statue aus:
Von der Seite
Von vorn
Gar nicht so schemahaft, wie keltische Statuen sonst gerne mal sind, sondern sehr detailliert und naturgetreu. Sie wurde 1834 so gefunden, der Kopf ist bis heute nicht aufgetaucht.

Ich war Dienstag bei einem Vortrag von Martin Schönfelder im RGZM in Mainz. Es soll bald eine Publikation des Musée Calvet in Avignon geben, wo die Statue auch ausgestellt wird, und er hat die neuesten Erkenntnisse zusammengefasst. Er datiert sie aufgrund der dargestellten Teile (v.a. des Schildbuckels) auf ca. 100 v. Chr.
Interessant für mich war natürlich vor allem der Mantel, der hinten nur bis zum Knie geht, auf der rechten Schulter gefibelt ist und vorne diese auffälligen Quasten hat. Vergleichbare Darstellungen von Quasten gibt es auch auf einem Triumphbogen aus Orange, das nur 16km nördlich von Mondragon liegt. Ansonsten scheint er nicht gemustert zu sein, keine Spur von Streifen, Karos, Köper oder sonst was.

Wenn man von der Seite schaut, sieht man das Schwert (auf der rechten Seite getragen) und zumindest einen Ring des Schwertgehänges. Außerdem einen Gürtel und etwas, das ein Hosensaum sein könnte, allerdings sind die Beine unterhalb des Mantels nackt. Auch Schuhe gibts nicht.
Es wurde auch nach Spuren von Farbe gesucht, aber im Gegensatz zu der Statue von Vachères (roter Mantel, vergoldeter Torques) nichts gefunden.
Auf das Linienmuster auf dem Schild konnte er sich keinen richtigen Reim machen; es könnte Holzmaserung sein, aber das hieße, dass der Schild nicht bespannt war und da er auch keinen Metallrand besitzt, ist das wohl eher unwahrscheinlich. Ich könnte mir vorstellen, dass in die noch nasse Rohhaut dieses Muster eingeprägt wurde.

Es gab Nachuntersuchungen an der Fundstelle, bei denen ein Brandgrab zutage kam, in dem sich u.a. ein sehr hochwertiges Trensenteil und ein bronzener Henkel eines Kästchens befanden.
Für die Darstellung des Verstorbenen war also anscheinend das Textil wichtig (während die Fibel nur ganz grob dargestellt ist), der Arm- und Halsring, der Schild und dass er ein Reiter war.
Wer nichts weiß, muss alles glauben.
(Marie von Ebner-Eschenbach. Österreichische Schriftstellerin, 1830-1916)

2

Samstag, 23. Januar 2016, 13:33

Danke für den Bericht! Klingt sehr spannend. Gerade die exakte Darstellung des Mantels ist spannend. Auch die Trageweise per Fibel bestätigt das Fibel auf der Schulter. Sehr interessant ist der Verweis auf den Bogen von ORange. Da gab es ja immer Verweise und auch Diskussionen, inwieweit es noch eine genuin keltische Darstellung ist.
CROM grant me Revenge! :rauchen:

3

Sonntag, 24. Januar 2016, 00:58

Das mit der Genuinität ist auch bei Mondragon nicht ganz unproblematisch. Schönfelder weist ganz richtig darauf, dass die Gestaltung der Statue formal zum Hellenismus gehört.
Die Figur ist etwas überlebensgroß, was realisiert wurde, in dem unterhalb der Gürtellinie einfach alles um einige Zentimeter getreckt worden ist. Das hätte ein Grieche so nicht gemacht, meint Schönfelder, darum muss der Bildhauer ein Kelte gewesen sein. Dieser Schlußfolgerung kann ich so ohne weiteres erstmal nicht folgen. (Gerade wo Massalia so nah liegt). Ich denke für solche Detailfragen wird es sich aber lohnen zunächst mal das erscheinen der Publikation abzuwarten.

Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »Sophos« (24. Januar 2016, 01:00)


4

Montag, 25. Januar 2016, 20:53

Sehr interessant ist der Verweis auf den Bogen von ORange. Da gab es ja immer Verweise und auch Diskussionen, inwieweit es noch eine genuin keltische Darstellung ist.


Schönfelder sieht beides (Triumphbogen und Statue) als Ausdruck einer Bevölkerung, die sich gerade im Prozess der Romanisation befindet.
Sehr interessant fand ich auch seine Sichtweise, dass Gräber mit vielen traditionell keltischen Beigaben aus gallorömischer Zeit nicht für ein besonderes Traditionsbewusstsein sprechen, sondern dass man den ganzen alten Plunder einfach in Opas Grab entsorgt hat. :-)
Wer nichts weiß, muss alles glauben.
(Marie von Ebner-Eschenbach. Österreichische Schriftstellerin, 1830-1916)

5

Dienstag, 26. Januar 2016, 19:43

Naja diese These mi dm plunder finde ch geagt. Die letzte Aussstellung im Belginum zeigte ja such Funde, die m. M. gegen diese These sprechen. So z.B. die Statue von Merkur, die aber optisch der kelt. 'Bildtradition' entspricht.
CROM grant me Revenge! :rauchen:

6

Freitag, 5. Februar 2016, 12:40

Hi,
sehr interessant! Da deckt sich vieles auch mit meinen Vermutungen. Ich hab mir die Figur im Oktober 2014 in Avignon angeschaut. Ich muss mal noch n paar Fotos hochladen. Zum Thema Detailgenauigkeit: wurde was darüber gesagt, ob die Statue vielleicht aus einer römischen/griechischen Werkstatt stammt?
Greetz
Marius

7

Freitag, 5. Februar 2016, 15:43

Hi,
wurde was darüber gesagt, ob die Statue vielleicht aus einer römischen/griechischen Werkstatt stammt?


Dazu habe ich ja schon etwas geschrieben. Laut Schönfelder war es ein lokaler Bildhauer.

8

Donnerstag, 18. Februar 2016, 10:03

Zitat

Dieser Schlußfolgerung kann ich so ohne weiteres erstmal nicht folgen. (Gerade wo Massalia so nah liegt).


Ups, sorry! Hatte ich überlesen. Sehe ich aber ganz genau so.

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