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1

Samstag, 23. Februar 2013, 13:51

Hallstattzeitliche Schwertscheiden - Bespannung, Aufbau

Hi Folks,
ausser dem Fund von Bastheim (Rhön-Grabfeld) ist mir kein tatsächlicher Aufbau einer hallstattzeitlichen Schwertscheide bekannt. Dort ist die Scheide mit Leinen umwickelt, die nach oben zeigende Webkante entfernt und der Stoff "ausgefranst". Ich habe gerade die Scheide meines Mindelheim-Bronzeschwert (Kemmathen) überarbeitet und auch so dargestellt. Fotos folgen nach der Schlußmontage.
Für mein eisernes Mindelheim (FO Gaisheim) und mein Gündlingen habe ich aber noch das selbe Problem. Mir sind zwar ein paar museale Stücke bekannt, an denen noch Scheidenreste vorhanden sind, aber keine Publikation dazu. Teilweise ist es hart nachzuvollziehen, weil keine FO's angegeben sind. Hat einer vor euch eine spontane Eingebung, Fundorte oder gar Publikationstipps? Ich will die drei Schwerter nicht alle nach nur einem Vorbild bauen. Bei unseren eigenen Schwertern ist wohl nur eines überhaupt mit Scheide ins Grab gekommen (Flügelortband), ansonsten gibts leider nicht die geringsten Hinweise.

Bin für jeden Tipp dankbar.

H.

2

Samstag, 23. Februar 2013, 17:47

Hi Hans,
ich hab spontan das hier gefunden:

Zitat

Lübeck-Siems, Ldkr. Lübeck. Bronzenes Gündlinger Schwert. Das Schwert wurde zusammen mit
einem Flügelortband Typ Dottingen, Resten der Holzscheide, Beschlägen
von der Scheide oder vom Gürtel, einem Tongefäß und eventuell noch einem bronzenen
Knopf oder Nadelkopf mit Eisenresten neben einer Urnenbestattung in einem
Grabhügel gefunden. SPROCKHOFF 1931, 111 Nr. 2/3b Taf. 24,5.9.10; COWEN 1967,
440 Nr. 153 Pl. LII,6; MENKE 1972, 221 Nr. 404, Hügel 1 Taf. 54,6.7.11.

Stammt aus dem Artikel "Zwei eiserne Hallstattschwerter aus Bohlsen, Ldkr. Uelzen, und ihre Stellung unter den früheisenzeitlichen Prestigegütern Norddeutschlands" von Claudia Tappert (Die Kunde N. F. 60, 2009, S. 1–24). Vielleicht hilft die weiterführende Literatur ja dann weiter.

3

Samstag, 23. Februar 2013, 19:47

Ich gehe gerade den PBF Band Die Schwerter in Süddeutschland, Östereich und der Schweiz durch.

Bei Folgenden HA Schwertern wurden Reste der Scheide gefunden:

Mindelheim: Birkenholzscheidenreste mit Gewebeabdrücken, Kossack, Hallstattzeit, Taf. 22

Budesheim: Eichenholzscheide mit Wollgewebe, Kossack, Hallstattzeit. Taf. 36

Güntlingen: Reste von Lederscheide, J.D. Cowen, PPS

Steinkirchen: Reste der Holzscheide (Materialstrucktur ähnlich kreuzweise geschichteter Birkenbast), J.D. Cowen, PPs und Kossak Hallstattzeit

Tannheim: Reste der dünnen, mit Gewebe umwickelten Holzscheide,J.D Cowen, PPS.

PPS = Proceeding of the Prehistoric Society (Cambridge)
Kossack Hallstattzeit = Südbayern wähernd der Hallstattzeit

Muschenheim: Reste einer Birkenbastschwertscheide.

Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »Dago 2« (23. Februar 2013, 20:12)


4

Samstag, 23. Februar 2013, 23:15

Klasse, danke. PBF und Kossak wäre greifbar, den Lübecker Fund muss ich noch nachgehen.

Das "vollständigste" Exemplar, dass mir bislang untergekommen ist, ist im Landesmuseum Speyer. FO ist "Wörth, Grab 29". Die Scheide ist über fast die gesamte Länge in Fragmenten erhalten. Ich kann nur durch die Vitrine durch den Aufbau nicht wirklich erkennen. Unter der Textilschicht ist eine glatte Schicht - was mich halt auf den Verdacht bringt, das die Textilschicht die Umhüllung für das Grab wäre. Aber ich finde keine Publikation dazu. Wenn unter der Textilschicht Leder zu finden wäre, wäre es klar, aber so....

Speyer ist halt Rheinland-Pfalz, da setzt meine Literatur aus...

H.

5

Sonntag, 24. Februar 2013, 15:21

Das hier könnte dich auch noch interessieren:
Die Schwerter im ehemaligen Jugoslawien
Da gibts ein eigenes Kapitel ber Schwertscheiden.

6

Sonntag, 24. Februar 2013, 18:33

Danke, alles ist im Moment hilfreich.
Was ich auch grad sehe, ich hab zum Speyerer Schwert das Foto vergessen....

H.
»Hans« hat folgende Datei angehängt:
  • 2006_07150012.jpg (79,64 kB - 17 mal heruntergeladen - zuletzt: 12. April 2013, 14:04)

7

Sonntag, 24. Februar 2013, 21:22

So ich hab mir noch den: Studien zu den Schwertgräbern der älteren Hallstattzeit, gegriffen und durchforste den mal

Aschering: Scheidenrest aus papierdünner Bastartiger Rinde ( Kossack)
Baisingen: Fragmente einer Holzscheide (Zürn)
Bamberg: Reste von Holzscheide ( Neuman, Reinecke)
Bastheim: Stoffumwickelte Holzscheide (Hundt, Kossack)
Beckerslohe: Holzscheidenreste (Schauer)
Bergen Enkheim: Holzscheidenreste (Schumacher)
Berndorf: Stoffumwickelte Holzscheide ( Schmudlach)
Bischofsheim: A Bronzereste einer Scheide, B Stoffumwickelte Holzscheide ( Schumacher)
Dettinge: Stoffreste am Schwert ( Endrich)
Eggoldsheim: Stoffumwickelte Holzscheide ( Pescheck)
Eichen: Stoffüberzogene Holzscheide (Schumacher)
Etting: Holzscheide ( Kossack)
Frankfurt, Eichenlehen: Stofumwickelte Holzscheide ( Fischer)
Friedberg: Holzscheide (Kossack)
Gautingen: Gewebereste auf Klinge (Kossack)
Gehrisricht: Angebliche Eisenscheide mit Gewebespuren (Torbrügge)
Giebelstadt: Holzscheidenreste
Großeibstadt: Holzscheidenreste ( Kossack)
Großmehringen: Lederscheidenreste (Reichart)
Großostheim: A Holzscheidenreste B Bronzeblechstreifen verstärkte Holzscheide, Beidseitig ( Schauer)
Hirscheid: Holzscheide ( Pescheck)
Hochstadt: Holzscheide (Schumacher)
Höchst. 2 Holzscheiden ( Schumacher)
Ilsfeld: Holzscheide (Zürn)
Kitzingen: 2 Holzscheide (Kossack)
Maisingen: Holz und Gewebereste auf Klinge (Kossack)
Markköbel: Stoffumwickelte Holzscheide ( Schumacher)
München Moosbach: Holzscheidenreste ( Kossack)
Nedingen: Holscheidenreste mit Bronzenieten ( Zürn)
Neuendorf: Stoffumwickelte Holzscheide mit Eisennieten ( Radunz)
Oberstetten: Holzscheiden Reste ( Zürn)
Salem. Holzscheide ( Wagner)
Schaafheim: Stoffumhüllung ( Schumacher)
Semd: Stoffumhülte Klinge ( Schumacher)
Siems; Angebliche Seideumwickelte Holzscheide (Menke)
Spatzenhausen: Holzscheide ( Kossack)
Steinkirchen: Mit Lederüberzogene Holzscheide ( Schauer)
Trochtelfingen: Holzscheide ( Schauer)
Urberrach: Textilreste verschiedener Webart an Klinge ( Schumacher)
Wadendorf: 2 Holzscheiden ( Schwarz)
Wahlwies: Holzscheide mit Eisennieten ( Wagner)
Walldorf: Eisenscheide? (Wagner)
Wallerstädten: Holzscheide aus Lindenholz ( Schumacher)
Wielenbach: Holzscheide (Kossack)
Windecken: Holzscheide, Stoffüberzogen. mehere Holzscheiden, Stoffumwickelte Holzscheiden ( Schumacher)
Wörth: Stoffumwickelte Holzscheide ( Kilian)

Das wären die Deutschen Funde mit Scheidenresten, nach:Hermann Gerdsen, Studien zu den Schwertgräbern der älteren Hallstattzeit

Wichtige Quelle dürften sein:
A Schumacher; Die Hallstattzeit im südlichen Hessen /
I Kilian; Gräber der Bronze, Urnenfelder und Hallstattzeit bei Wörth
P. Schauer; Die Bewaffnung der Adelskrieger während der späten Bronzezeit und frühen Eisenzeit

Die aus den Nachbarländer durchforste ich später

Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »Dago 2« (24. Februar 2013, 21:25)


8

Montag, 25. Februar 2013, 16:27

Reicht!!! Stopp, da hab ich wochenlang zu tun, reicht völlig!
Das Problem wird aber dabei deutlich: Die Reste werden beschrieben, aber der Aufbau vernachlässigt. Oder, und das ist die Regel, die Reste sind so minimal, dass eine Aussage nicht möglich ist. Beispiel Beckerslohe (nach Schauer): Das ist ja die eiserne Version, die ich sowohl im Museum als auch an meiner Seite habe (wir haben zwei, Beckerslohe und Gaisheim). Die Anhaftungen an dem Beckersloher Roststreifen sind dermaßen kümmerlich, dass sich nicht mal die Holzart bestimmen lässt, geschweige denn ein weiterer Schwertaufbau. Aber ich arbeite das mal durch.

Mein Ziel wäre es eigentlich, zur Stoffumwicklung eine halbwegs plausible Aussage treffen zu können. Zu Bastheim liegt eine alte Aussage und eine Rekonstruktion des RGZM vor, die von einer eindeutigen Stoffumhüllung als Scheidenbestandteil sprechen. Bei Aussagen wie Stoff auf Metall werde ich dagegen wieder nachdenklich.

H.

9

Montag, 25. Februar 2013, 21:22

Du denkst an eine, im Grabbrauch stehende Verpackung. Den Verdacht werde ich bei nur mit Stoffresten belegten Klingen nicht los.

10

Mittwoch, 27. Februar 2013, 10:41

Genau. Die haben ja alles in Textil verpackt, recht aufwändig. Weshalb dann bei den Schwertern nicht - und der Rost konserviert schön. Wie gesagt, es gibt nur eine einzige Aussage (nach meinem Kenntnisstand), der die Stoffumwicklung nicht als Grabgebrauch, sondern als funktional definiert, dass ist eben der Befund Bastheim mit Reko RGZM. Aber selbst da wurde an sehr entlegenem Ort publiziert, ich kenn das nur als Katalogkommentar.

H

11

Samstag, 16. März 2013, 10:21

Interessant finde ich in diesem Zusammenhang das Messer aus dem Hochdorfer Fürstengrab. Es zeigt eine Holzscheide, die nur abschnittsweise mit einem Faden umwickelt ist. Also: eine Holzscheide braucht keine komplette Textilwicklung.

Michael

12

Donnerstag, 11. April 2013, 23:30



Die Version nach Bastheimer Vorbild (Leinen) hab ich fertig. Als Holz hab ich Linde verwendet. Für mein eisernes Mindelheim muss ich mir noch was einfallen lassen. Ich arbeite gerade mich durch Torstens Liste. In Landau liegt auch eine schöne recht vollständige Version, aber ich finde keine Publikation dazu....ich selber werde vom reinen Angucken da nicht schlau draus. Ist wirklich blöd, das "unsere" Exemplare so völlig ohne Befund sind - der reine Rost, sonst nix.

H

13

Freitag, 12. April 2013, 17:08

Sehr schick geworden, Hans! Ist das Leinen naturgefärbt?

Zitat

der reine Rost, sonst nix

Metallscheide? :tanz:

14

Samstag, 13. April 2013, 09:48

Schön wärs...nee, nee. Ich habe ohnehin den Eindruck, dass eine nicht unerhebliche Menge "blank" in die Gräber kamen.

H.

15

Sonntag, 7. Mai 2017, 21:26

Was ich interessant finde ist das Schwert aus Frankfurt, wo auf der Scheide ein Federbesatz erhalten blieb

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