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1

Montag, 29. März 2010, 11:53

"Das Zeitalter der keltenfürsten", M. Kuckenburg

Martin Kuckenburg, der Autor von "Die Kelten in Mitteleuropa" hat sein neuestes Werk herausgebracht.

In seinem Buch: Das Zeitalter der Keltenfürsten" beschäftigt er sich primär mit der frühen Eisenzeit in Mitteleuropa.
Er beleuchtet hier intensiv den Zeitraum von 800 bis 300 v. Chr.
Erschienen ist das Buch bei Klett-Cotta, hat 320 Seiten.
Wer jetzt aber hofft, dass er hier viele Abbildungen über Funde aus dieser Epoche findet, den muss ich enttäuschen.
Sobald ich durch bin, gibt's mehr Info:


http://www.amazon.de/Das-Zeitalter-Kelte…69856033&sr=8-4

http://www.klett-cotta.de/geschichte_bue…t_products=2330
Teile dein Wissen mit anderen. Dies ist eine gute Möglichkeit, Unsterblichkeit zu erlangen. - Dalai Lama

2

Samstag, 19. Juni 2010, 12:53

Hallo Simon,
bist Du beim Lesen abgestorben? Das wäre natürlich auch eine Art Rezension. Aber vielleicht reicht es auch für ein paar Worte.

Michael

3

Samstag, 19. Juni 2010, 17:44

Hehe, nee nicht wirklich.
Ich bin grad bei Kapitel 15.
Das ganze ist aber sehr theoretisch und hat viel mit Siedlung- und Gesellschaftstheorien der späten HA zu tun.
Also nicht so flüssig im Lesefluss.

Aber Rezension kommt.
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4

Freitag, 25. Juni 2010, 08:43

Wie versprochen, meine Rezension zum Buch:

Das Zeitalter der Keltenfürsten

Martin Kuckenburg

Ein großer Titel der viel zu versprechen scheint. Der Verlag verwundert schon beim ersten Blick, aber wer Tolkien in Deutschland herausgibt, den sollte man nicht per se in die Fantasy-Ecke drängen, auch wenn die Gefahr bei der gewählten Thematik groß ist genau dort zu landen.
Der Autor, Martin Kuckenburg, dagegen ist bekannt für fundierte Fakten und deren Aufarbeitung, so dass der Klappentext auf einiges hoffen lässt.
Laut diesem räume Kuckenburgs „… große Gesamtdarstellung der frühen Keltenzeit zwischen dem 8. und 3. Jahrhundert vor Christus … mit dem Klischee der kulturellen Rückständigkeit gegenüber Griechenland und Rom“ auf und zeige „ … dass sich diese erste Hochkultur Mitteleuropas durchaus auf Augenhöhe befand mit den entstehenden Hochkulturen Griechenlands und Roms. …“
Das Buch besteht insgesamt aus 20 Kapiteln und das Quellenverzeichnis liest sich wie ein Who-is-who der Europäischen Eisenzeitforschung. Bereits beim lesen des Inhaltsverzeichnisses wird der Schwerpunkt klar: Kuckenburg hat sich primär mit den Fürstensitzen des 6. und 5. Jahrhunderts vor Christus beschäftigt, also der späten Hallstattzeit bis in die ganz frühe Latènezeit.
In der Einleitung zeigt der Autor klar seine Zielrichtung auf. „Die Kelten kommen! Über die neue Popularität einer alten Kultur“ so hat er sie betitelt und stellt kurz die Geschichte der Keltenforschung und ihren Stand in der Deutschen Gesellschaft dar. Er benennt die beiden „Eye-opener“ der Deutschen Keltenfürsten, die Gräber von Hochdorf und Glauberg, und steckt den Rahmen seiner Publikation.
Martin Kuckenburg stellt die frühen Kelten eingebettet in die gesamte kulturelle Entwicklung des westlichen Mittelmeerraumes dar. Er zeigt auf, dass sich die frühen mediterranen Kulturen und die Hallstattkultur parallel entwickelten und gegenseitig beeinflussten. Wobei er den Haupteinfluss ganz klar in Richtung Norden sieht. Er geht auf die Gründung der ersten Kolonien der Griechen im Westen und der Keltike ein und Beschreibt, anhand der bekannten wissenschaftlichen Fakten, den plötzlichen Umschwung um das 5. Jahrhundert durch das erstarken der Etrusker im Norden Italiens und die möglicherweise dadurch entstandenen Latènekultur.
Den größten Teil der Faktengrundlage nehmen die Heuneburgforschung und die Fürstengrabhügelforschung in Baden-Württemberg ein. In diesen sind die stärksten Zeugnisse keltisch-mediterraner Berührungen greifbar. Aber er schaut auch über den Tellerrand dieses kleinen Kernbereichs hinaus um die Einflüsse klar aufzuzeigen.
In seinem Buch stellt er die zwei Hauptströmungen der „Fürstensitz-Forschung“ gegenüber. Die Richtung nach Kimming, die den Griechen und Etruskern einen großen Einfluss einräumt und die davon ausgeht, dass die Kelten nur wurden was sie sind, da sie deren Kultur adaptierten und sich so aus dem Barbarentum lösten, also eine „barbarische Reflexion mediterraner Lebensformen“ seine. Die aber auch die bestimmte Vorstellung einer Sozialstruktur nach Griechischen Vorbildern entwickelte und eine Hallstattzeitliche Adelsschicht ähnlich des mittelalterlichen Feudalsystems zeigte. Kimming stellte er die Strömung Eggerts gegenüber, der seine Interpretationen der Funde auf die Grundlage der kulturanthropologischen Forschung stellt und als größter Kritiker Kimmings gilt. Seiner Meinung nach entwickelte sich die Hallstattzeitliche Fürstenkultur eigenständig und sei viel mehr mit den Afrikanischen Stammesstrukturen zu vergleichen als dem mittelalterlichen Feudalsystem.
Kuckenburg beschreibt ausführlich die Entwicklung der Forschungsströmungen und den Disput der beiden Hauptrichtungen ohne wirklich eindeutig Partei zu ergreifen. Dies ermöglicht den Lesern Einblick in eine differenzierte Welt der Keltenforschung zu bekommen und gegebenenfalls eigene Schlüsse daraus zu ziehen.
Kuckenburg stellt die Vorstellungen der keltischen Welt anhand archäologischer Funde, antiker Autoren und Vergleichen mit ähnlichen Gebräuchen der gesamten westlichen antiken Welt dar. Entgegen der Aussage des Klappentextes wird allerdings die Zeit außerhalb der Epoche der Hallstattfürsten nur rudimentär angedeutet, da sie zwar für die Entstehung der Fürstenkultur wichtig ist, bzw. die Fürstenkultur in der Folgezeit der Kelten, also ab dem 4. Jahrhundert kaum Spuren hinterließ.
Martin Kuckenburg gelingt es, den Leser, der sich für diese Epoche interessiert und auch einen tieferen Einblick in die Entwicklung und ereignisreiche Welt der Keltenforschung und deren Protagonisten haben möchte zu fesseln und ausführlich zu informieren. Allerdings ist sein Buch keine typische Populärliteratur für Keltenfans. Diese werden sehr bald von seinem wissenschaftlichen und nüchternen Ton gelangweilt sein und doch wieder zu Tolkien greifen. Auch diejenigen, die sich spannende neue Fakten über die Kelten in Deutschland bis hin zu deren Verschwinden erhoffen werden enttäuscht. Diese Zeit findet nur in Nebensätzen, die die Hauptthematik unterstreichen Erwähnung. Allen anderen sei diese Literatur zu empfehlen, denn sie beschreibt den Zeitraum, in dem die Kelten Deutschlands es fast geschafft hätten eine Hochkultur zu entwickeln, die denen der Griechen und Etruskern zu jener Zeit ebenbürtig hätte sein können.

Simon Kahnert
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5

Freitag, 25. Juni 2010, 19:03

Danke für die ausführliche Rezension. Die würde jeder gedruckten Zeitschrift Ehre machen. Dann muss ich wohl schauen, was die Haushaltskasse sagt.
Michael

6

Sonntag, 27. Juni 2010, 10:22

Danke für die Blumen.
Ich wollte halt etwas ausführlicher sein, um eventuelle Fehlkäufe zu vermeiden.
Printmedien sind vielleicht etwas hochgesteckt, aber auf chronico hab ich's geschaft:

http://chronico.de/besprechen/sachbuecher/0000544/ :lesen: :)
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