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Quinctilius

unregistriert

1

Dienstag, 30. August 2011, 13:43

wo kommen geschweifte Fibeln vor ?

Hallo liebe Keltenfreunde,

ich habe eine Frage zu einem Spezialthema. Vielleicht weiss jemand hier die Antwort oder hat einen Literaturtip ?
Ich beschäftige mich gerade mit dem Zusammenbruch der Oppida-Kultur in Mittel- u. Süddeutschland in LT-D2. Kennzeichnend für diesen Horizont ist ein Fibeltyp,
den man "geschweifte Fibel" nennt, Vgl. Abb. Eine Spezialversion ist Almgren 18.
Wisst ihr, ob dieser Fibeltyp nur in Deutschland oder vielleicht auch in Frankreich oder Osteuropa vorkommt ? Hat jemand eine Verbreitungskarte ?
Bei den Tafeln von Feugere kann ich den Typ nicht finden.

Danke und Gruß
Euer
Quinctilius
»Quinctilius« hat folgende Datei angehängt:

2

Dienstag, 30. August 2011, 18:48

Also direkt kann ich deine Frage nicht beantworten, beziehst du dich auf geschweifte Formen im Allgemeinen oder diese im Speziellen, denn verschiedene Verzierungen sind regional begrenzt. Generell geschweifte Fibeln kenne ich aus dem Kopf aus Italien, der Schweiz, Österreich und Deutschland (Ohne gewähr und ohne Anspruch auf Vollständigkeit)
Ich erinnere mich, dass in R. Beltz, Die Latènefibeln (Berlin 1911) eine Verbreitungskarte aller Latène-Formen hinten abgebildet war, auch die geschweiften Fibeln waren dort verziechnet. Ob dort aber nur Deutschland oder Europa kartiert war, erinnere ich mich nicht mehr. Wäre vielleicht aber trotzdem ein ganz guter Start für die Recherche. Das Erscheinungsjahr sollte natürlich beachtet werden.

Quinctilius

unregistriert

3

Dienstag, 30. August 2011, 19:01

..danke für die Info. Ich meine die frühen geschweiften Fibeln nicht die Nachfolgemodelle wie z.B. Almgren 19, die sind schon frührömisch.
Die abgebildete Replik gibt den Typ sehr genau wieder. Der Nadelhalter ist meist durchbrochen und der Knopf am Bügelumbruch ist noch nicht so kräftig ausgeprägt. Ich kenne nur eine Karte mit Almgren 18 im Zusammenhang mit den Batavern. Dort gibt es 2 Fundschwerpunkte, einen in Hessen (Dünsberg) und einen am Niederrhein.
Einen interessanten Aufsatz (leider ohne Karte) gibt es hier:

http://www.uni-leipzig.de/histsem/upload…Chronologie.pdf

Ich werd mal weiter schauen.

Gruß
Quinctilius

4

Dienstag, 30. August 2011, 20:06

Ich empfehle Rosemarie Müller u. Heiko Steuer, Fibel und Fibeltracht.Reallexikon der Germanischen Altertumskunde. de Gruyter, 2000 ISBN 3110168588

Geschweifte Fibeln des abgebildeten Typs gibt es in Mitteleuropa und auch im östlichen Europa. Gebiets weise wird das Auftreten der geschweiften Fibel in den Zusammenhang mit germanischer Besiedlung gebracht.

Gruß
Konrad

Quinctilius

unregistriert

5

Dienstag, 30. August 2011, 20:53

Hallo Konrad,

danke, ja das Buch habe ich, finde allerdings die Angaben etwas mager, auf S. 70 ist immerhin die Rede von ost alpinen Kontakten und Verbindungen in die Slowakei und in den Oberweichselraum und ein Vorkommen in Mittelböhmen.
Das mit dem Indiz für germanische Besiedlung finde ich besonders spannend, weil die Fibeln auch auf dem Dünsberg auftauchen. Wäre ja ein Indiz, dass zumindest dort Germanen die Kelten abgelöst haben. Ich glaube ja, das hinter dieser rätselhaften Entvölkerung bzw. dem Zusammenbruch der Oppida-Kultur Germanen steckten, deshalb würde ich gerne mal die Verbreitung dieses Typs kartiert sehen.

Gruß
Quinctilius

6

Dienstag, 30. August 2011, 21:10

Für den Zusammenbruch der Oppida-Kultur wird es sicher eine Mehrzahl von Faktoren gegeben haben, die seinerzeit Hand in Hand gingen! Deshalb dürfte eine Verbreitungskarte der geschweiften Fibel nur einen sehr vagen Anhaltspunkt für deine Annahme liefern!

Quinctilius

unregistriert

7

Dienstag, 30. August 2011, 21:37

daccord, aber würde mich interessieren ob die Verbreitung mit "germanischen" Siedlungsräumen übereinstimmt, obwohl zugegebenermassen auch diese nicht eindeutig zu identifizieren sind.

8

Dienstag, 30. August 2011, 21:53

Ronald Bockius, Piotr Luczkiewicz, Kelten und Germanen im 2. - 1. Jahrhundert vor Christus. Monographien Band 58, Mainz 2004, ISBN 3-88467-084-0

S. 43 ff
beschäftigen sich mit der geschweiften Fibel. Hier findest du auch deine gesuchten Verbreitungskarten!

Liebe Grüße
Konrad

9

Dienstag, 30. August 2011, 22:01

Die von Dir gezeigte Fibel ist eine Replik einer Flügelfibel vom Oppidum Titelberg/Luxemburg. Entsprechend weitere Fibeln dieses Typs wurden dort recht zahlreich gefunden. Vielleicht gibt Dir die Literatur "Die keltischen u. gallo-römischen Fibeln vom Titelberg" von Nicolas Gaspar Auskunft über weitere Verbreitungsgebiete.

Im Forum bereits von mir hingewiesen:
keltische Männertrach in La Tène D !
Höre viel und sage nur nötiges.
Weise reden, weil sie etwas zu sagen haben, Toren sagen etwas, weil sie reden müssen. Plato 428-348

10

Dienstag, 30. August 2011, 22:39

Hallo,
Die Fibel Almgren 18 (a) ist eine von den Leitform-fibel in den Lt D2 und dauert bis in früheren Keiserzeit. Man bezeichnet diese Fibel auch als norisch-pannonische Fibel weil die in dem Raum verbreitet war und errinert stark an andere Varianten von den Fibeln in dem Raum aus der Zeit ab den Mitte von den 1. Jahrh. BC. Lt D2 fängt in den Ostalpenländern um ca. 70 BC.
Die Links zB: http://members.yline.com/~ch.gugl/2_6__1.htm (Tafel: 1, 3)
da im Buch Fibeln der Spätlatene - und frühen römischen Kaiserzeit in den Alpenländern im Kapitel "s" Verbreitung und Herkunft von Fibel Almgren 18:
http://www.vml.de/d/inhalt.php?ISBN=978-…6-533-7&print=1
Die Fibel Almgren 18 kann man bei Replik.de kaufen.
Apropo Bezeichnung "Nachfolge" - Fibel Almgren 19 ist römisch; es ist schon die Fibel Almgren 15 römisch.

Joze

Quinctilius

unregistriert

11

Dienstag, 30. August 2011, 22:42

@ Kondrad, @ Duodorix @ Joze Noriker: Danke für die wertvollen Literaturhinweise ! Da werd ich mal nachschauen. Das ist ja mehr als genug :-)

Gruß
Quinctilius

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Quinctilius« (30. August 2011, 22:44)


12

Donnerstag, 1. September 2011, 23:17

Hi, zu der Fibel Almgren 18 habe da im Text vom Dr. D. Bozic auf s. 201 links unten noch eine Quelle gefunden (nach Gabrovec 1994, Taf. : 13 und 24):
http://av.zrc-sazu.si/pdf/50/AV_50_Bozic.pdf

Es gibt also auch bei uns Funde von Fibel Almgren 18.


PS: Du kannst in dem Text auf S. 200 aber auch Belege und Quellen für Flügelgürtelhaken finden, welche ich habe und welche du schon mal gefertigt hast.
Die unterscheiden sich doch bissl von deinen, so wie meine auch (obwohl du diese Form-Funde gemacht hast). Meine ist aufgrund Archaeozeichungen und Fotos 1:1 gemacht.

Joze

Quinctilius

unregistriert

13

Samstag, 3. September 2011, 13:40

...nochmals vielen Dank ! Interessanter Artikel, der Typ Almgren 18 scheint wesentlich verbreiteter zu sein, als ich ursprünglich dachte.
Gruß
Quinctilius

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