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Sonntag, 16. Februar 2014, 21:26

Glauberg-Bogen in funktionstüchtiger Größe

Zwar gab es schon einen ähnlichen Thread von Divico, aber ich dachte, auch um das Forum etwas zu beleben, wäre es ganz schön mal den Bau eines Holz-Sehne Komposits zu dokumentieren.
Es handelt sich dabei um eine Auftragsarbeit. Der Kunde wollte eine funktionstüchtige Variante des Glauberg-Bogens (wobei zu klären wäre, ob es sich dabei wirklich um einen Bogen handelt). Wir einigten uns auf eine ungefähre Länge von 125-130. Dieses Länge ergab sich bei der Bestimmung der nachgewiesenen Pfeillänge die zwischen 50 bis etwas über 60 cm liegt (bzw. liegen könnte). Der Bogen sollte aus Hartriegel und Hirsch, oder Rindersehne bestehen. Hartriegel wurde als Holz gewählt, da das beschriebene bogenähnliche Objekt aus einem nicht näher zu bestimmenden Laubholz gefertigt war. Zwar käme dafür auch Ulme in Betracht, doch Ulme neigt dazu, nach dem Dämpfen "gummiartig" zu werden. Da aus der mittleren BZ ein Bogen aus Hartriegel aus Fiave-Carera vorliegt, fiel die Wahl auf dieses Holz. Idealerweise ist dieses Holz sehr hart, aber ist eher druck- als zugstabil. Weswegen die Kombination mit Sehne sinnig ist. Eine solche Form wie der Glauberg-Bogen lässt sich ohne nur mit Sehne oder einem anderen Kompositmaterial verwirklichen, da sich die reflexen Biegungen im Griff bei Biegebelastung wieder egalsieren. Mn braucht eine zweite Schicht, die die erste Schicht in der antizipierten Form stabilisiert. Das kann entweder Holz oder Sehne sein.


Ich werde versuchen die Schritte soweit als möglich und sinnvoll zu dokumentieren.


Das Ausgangsmaterial

Die hier abgebildete Menge an Sehne reicht für eine Schicht. Benötigt werden aber mindestens 2, besser 3.

Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »Leuthari2.0« (16. Februar 2014, 21:49)


2

Sonntag, 16. Februar 2014, 21:35

Bogenstab bearbeitet und in die grobe Form gebogen. Dabei wurden Dampf und meine Knie eingesetzt ;) Von Schablonen halte ich nicht viel, da sich das Holz oftmals nur bedingt darauf ausrichten lässt. Mit meinen Knien kann ich die Formen besser, flexibler und gefühlvoller biegen. Die Form wird vor dem Belgen mit Sehne nochmals korrigiert und dann darf sich der Bogenstab erstmal entspannen. Werkzeug bisher: Dechsel, Säge, Raspel.





Anrauen der Oberfläche vor dem Verleimen der Sehne. Dazu verwende ich ein altes Sägeblatt

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Leuthari2.0« (16. Februar 2014, 21:47)


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Montag, 17. Februar 2014, 16:31

Sehr interessant! wie muss ich mir das mit dem Damp und dem Knie vorstellen?
Marled
Kleidermotte in historischen Textilien aus Leidenschaft!
Näheres dazu in meinem Blog
Archäotechnik - textile Fläche

4

Montag, 17. Februar 2014, 19:46

Tolle Sache. Von Bögen habe ich wahrlich keine Ahnung. Die Umsetzung sieht aber gut aus.
Wie sieht es denn mit der Verzierung aus. Malst du diese roten Mäander wie auf dem Glauberg-Modell auf? Geschnitzt sollen sie ja den Bogen instabil machen.

Patrick
CROM grant me Revenge! :rauchen:

5

Dienstag, 18. Februar 2014, 09:44

Das Dämpfen erfolgt über einem Topf oder einer Pfanne. Auf den Rand des Gefäßes wird das zu biegende Objekt positioniert und abgedeckt mindest 30 Minuten, abhängig von der Dicke und den gewünschten Biegeradien, erhitzt. Alternativ geht auch trockene Hitze wie zB. die Glut eines Feuers oder heiße Steine, dabei muss das Holz jedoch mit Fett oder Öl vor einer Versprödung geschützt werden.
Nach der Entnahme aus dem Dampfbad muss das Holz sehr schnell gebogen werden, man hat vielleicht nur 30 Sekunden Zeit, dann muss die Form gebogen sein. Ansonsten wird das Holz zu kalt und bricht unter Umständen. Das Biegen über dem Knie kann man sich ein bisschen wie das Brechen eines Stockes über dem Knie vorstellen, nur eben ohne Brechen ;) Da das Knie nur kleine Biegenradien zulässt,kann man auch Töpfe, Stammabschnitte usw. als Widerlager nehmen. Wenn mich mal jemand bei einer solchen Bogenakrobatik fotografiert, dann kann ich auch mal Bilder reinstellen. Ganz zu Beginn habe ich auch mit Biegeschablonen gearbeitet, aber daraus lassen sich insbeosndere dünnere Bogenstäbe, gerade wenn diese etwas drehwüchsig sind, nur bedingt ausrichten.

6

Dienstag, 18. Februar 2014, 09:46

@ Patrick: Soweit ich es mit dem Auftraggeber abgesprochen habe, soll auf der Abdeckung aus Birkenrinde ein Mäandermuster aufgemalt werden.

7

Dienstag, 18. Februar 2014, 18:54

Wirklich sehr cooles Teil! Respekt! :klatsch:

8

Freitag, 7. März 2014, 08:47

Warum läuft mir gerade der Sabber im Mund zusammen?
Sehr cooles Teil.
Ich bin gespannt wie es weitergeht und wie sich das Teil schießen lässt.
Teile dein Wissen mit anderen. Dies ist eine gute Möglichkeit, Unsterblichkeit zu erlangen. - Dalai Lama

9

Mittwoch, 12. März 2014, 17:28

Sehr schön, gute Idee!
Bin auch gespannt was rauskommt
Gruss
Joachim

10

Donnerstag, 13. März 2014, 19:26

Super Teil, echt klasse. Kribbelt mir richtig in den Fingern.....

Zitat

Bin auch gespannt was rauskommt
...sagte der Bogen... :D :D

11

Dienstag, 22. April 2014, 19:47

Es geht weiter

Bogen mit Sehnenbelag von der Seite

Sehnenbelag von vorne

Tiller

Umwicklung aus Birkenrinde, mit Sehnenwicklung verstärkt
Slideshow


Der Bogen wird vermutlich noch mit Pigment und Leinöl bemalt. Ich hoffe der Käufer möchte es schön bunt. :rockz: Der Griffbereich wird nach dem Bemalen großzügig mit Leder umwickelt, um den Bogen vor Handschweiß und den manchmal nassen Federn von Pfeilen zu schützen.

Da ich momentan aufgrund des Studiums ohne Werkstatt bin, baue ich die Bögen draußen auf der Wiese usw., d.h. ohne weitere Vorrichtungen wie Tillerstock usw.. Aber mit einem etwas geschulten Auge brauch man sowas auch nicht. Was man braucht, ist eine dicke Haut und eine hohe Agressionsschwelle gegenüber dümmlichen Kommentaren von Spaziergängern :shoot1:


Beim Einschießen habe ich festgestellt, dass seht leichte Pfeile am besten funktionieren bzw. der Bogen diese sinnvoll beschleunigen kann. Mit der entsprechenden Munition ist der sehr schnell. Ich bin jetzt gespannt wie er sich mit dem zusätzlichen Gewicht der Birkenrinde verhält.



Dieser Beitrag wurde bereits 5 mal editiert, zuletzt von »marled« (22. April 2014, 22:19)


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Dienstag, 22. April 2014, 20:31

Servus Leuthari,
Irgendwas stimmt da aber mit den Links nicht.
Gruß
Marius

13

Dienstag, 22. April 2014, 22:20

Ich habe mir erlaubt, die Links nochmal neu zu setzen, ich hoffe, das war in deinem Sinne, Leuthari!
Sehr schöne Arbeit!

Marled
Kleidermotte in historischen Textilien aus Leidenschaft!
Näheres dazu in meinem Blog
Archäotechnik - textile Fläche

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »marled« (22. April 2014, 22:21)


14

Donnerstag, 24. April 2014, 21:45

Sehr schöne Replik! Gefällt mir ausgesprochen gut. Glückwunsch :-)
CROM grant me Revenge! :rauchen:

15

Dienstag, 29. April 2014, 20:57

Ich habe ja so gar keine Ahnung von Boegen, aber das finde ich sehr ueberzeugend und auch sehr schoen gearbeitet! :klatsch:
"Bewahre mich vor der Einbildung, bei jeder Gelegenheit und zu jedem Thema etwas sagen zu müssen."
Teresa von Ávila

16

Donnerstag, 1. Mai 2014, 17:05

So ein schönes Teil! Da merkt man den Meister.

Gruß
M.

17

Samstag, 9. August 2014, 13:03

ich hab jetzt auch einen..tolles kleines böses teil...ist wirklich eher was für die jagd..und wie immer superklasse vom leuthari gebaut...

18

Mittwoch, 15. Oktober 2014, 06:42

Am kommenden Donnerstag hält Thomas Lessig-Weller in der Keltenwelt am Glauberg einen Vortrag über die neuesten Erkenntnisse zur Bogenausrüstung des Grabs Glauberg I.
Leider hab ich keine Zeit hinzugehen, aber vielleicht gibt es ja ein Skript.

http://www.keltenwelt-glauberg.de/de/events/veranstaltungen/
Teile dein Wissen mit anderen. Dies ist eine gute Möglichkeit, Unsterblichkeit zu erlangen. - Dalai Lama

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